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Eine desaströs verlaufende Auktion deutscher Bundesanleihen führte heute zu Ängsten an den Finanzmärkten, dass Europas Staatsschuldenkrise jetzt auch die Berliner Regierung bedrohen könnte. Darüber hinaus scheinen sich Frankreich und Deutschland weiterhin nicht darüber einig zu werden, auf welche Weise die größte Wirtschaftskrise seit der Großen Depression gelöst werden soll. Für zusätzliche Verstimmung der Investoren sorgte die Nachricht, dass Belgiens Regierung Frankreich zu einer Ausweitung der Rettungshilfen in Höhe von €90 Milliarden für die zusammen gebrochene Bank Dexia drängt.

Fehl geschlagene deutsche Bondauktion sorgt für wachsende Unruhe in Berliner Regierung

Als ob die aktuelle Lage nicht bereits schlimm genug wäre, veröffentlichte die Ratingagentur Fitch einen Bericht, nach dem Frankreich nur noch wenig Spielraum besitzt, um finanzielle Schocks zu absorbieren. Dazu gehörten vor allem ein sich verlangsamendes Wachstum der Wirtschaft oder neue Finanzhilfen für angeschlagene Banken. Sollte es dazu kommen, müsse laut Fitch eine Neubewertung der Kreditbonität Frankreichs erfolgen, was im Klartext nichts anderes bedeutet, als dass die Ratingagentur die Pariser Regierung ganz offen vor einem Entzug ihres AAA-Ratings warnt. Nach einer der am wenigsten erfolgreichen deutschen Bondauktionen seit Einführung der Gemeinschaftswährung Euro standen sowohl der Außenwert des Euro als auch Europas Aktienmärkte unter erheblichen Abgabedruck. Die Deutsche Bundesbank sah sich dazu gezwungen, nahezu die Hälfte ihrer beabsichtigten Anleiheemission in Höhe von €6 Milliarden zurück zu behalten, nachdem es einfach keine ausreichende Nachfrage durch Investoren an den Bondmärkten gab. Resultat war, dass die Zinsen auf Deutschlands 10-jährige Staatsanleihen erstmals seit Oktober das Zinsniveau amerikanischer Treasury Bonds überstiegen. Marktbeobachter teilten mit, dass die heutige Entwicklung ein riesiges Desaster sei. Die nicht erfolgreiche Bondauktion und steigenden Zinsen auf deutsche Bunds dürften laut Experten zu einem Umdenken in der Berliner Regierung von Kanzlerin Merkel führen.

Sich mehrende Anzeichen für einen Ausschluss europäischer Banken von den Kreditmärkten haben die Bemühungen der Brüsseler Politik intensiviert, endlich eine nachhaltige Lösung für die horrenden Schuldenprobleme Europas auf den Tisch zu legen. Eine ganze Reihe von Instituten kann sich zurzeit nur noch über Notkredite bei der Europäischen Zentralbank refinanzieren, weil Investoren an den Kapitalmärkten kein Vertrauen mehr in den Bankensektor haben. Zwischen Deutschland und Frankreich kam es allerdings abermals zu Unstimmigkeiten über die Frage, ob die EZB weitreichendere Anleihekäufe vornehmen sollte, um finanziell am Abgrund wandelnde Staaten wie Italien, Spanien, Portugal, Irland oder Griechenland zu stützen. Merkel sprach sich in einer Rede vor dem deutschen Bundestag auch weiterhin gegen eine Emission der durch die EU-Kommission vorgeschlagenen Eurobonds aus und nannte diese Anlagevehikel außerordentlich unpassend. Frankreichs Regierung sieht die EZB hingegen in der Rolle eines letzten Kreditgebers, der die Verpflichtung habe, finanziell angeschlagenen Staaten durch eine generöse Kreditvergabe unter die Arme zu greifen. Genau diese Sichtweise widerspricht jedoch dem in den EU-Verträgen festgelegten Mandat der EZB, die durch ihre Geldpolitik vor allem für eine stabile Währung verantwortlich zeichnen sollte.